Teebaumöl Qualitätsunterschiede | Was mach reines Teebaumöl aus?

Teebaumöl hat ein sehr weites Anwendungsspektrum, ob als bewährtes Hausmittel bei Erkältung, bei der Bekämpfung von Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten oder als Bestandteil vieler Kosmetika. Es erfreut sich zunehmender Beliebtheit und die Nachfrage steigt jährlich: Seit dem Jahr 1995 stieg die weltweite Produktion von 200 auf weit über 1000 Tonnen.

Teebaumöl Qualität

Natürlich gibt es auch bei Teebaumöl enorme Qualitätsunterschiede. Dies ergab eine breit angelegte Untersuchung von Dr. Ezra Bejar aus Kalifornien, einem Experten in der botanischen Forschung, der die Ergebnisse in der Ausgabe des American Botanical Council vom August 2017 veröffentlichte. Für den einfachen Anwender sind die Unterschiede kaum bemerkbar, doch tatsächlich sind weltweit die Hälfte aller Teebaumöle nicht zu 100% rein und sogar vorsätzlich verfälscht. In Europa waren gut ein Drittel aller Samples verunreinigt, in England 7 von 20 und in Spanien 4 von 11. In anderen europäischen Ländern liegen leider keine Daten vor, man kann aber davon ausgehen, dass Verunreinigungen in allen Ländern relativ häufig vorkommen.

Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass einige Länder mehr Öl exportieren, als sie anbauen. Laut Stefan Gafner dem wissenschaftlichen Direktor des gemeinnützigen ABC (American Botanical Council) sind die hohen Preise für reines Teebaumöl und die steigende Nachfrage der Grund für die absichtlich hervorgerufenen Verunreinigungen.

Teebaumöl enthält über 100 Wirkstoffe in der Hauptsache jedoch Terpinen-4-ol. Reines Teebaumöl sollte einen Anteil von mindestens 30 % dieses Hauptwirkstoffs enthalten. Hochwertiges Teebaumöl definiert sich darüber, möglichst nahe am natürlichen Ursprung zu sein. D.h.: Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe sollen so wie die des Melaleuca Alternifolia oder Melaleuca Linariifolia in seinen ursprünglichen Wachstumsgebieten in Australien sein. Nur dann entfaltet das Öl seine volle therapeutische Wirkung. Diese Zusammensetzung ist als Norm im ISO-4730-2017-Standard festgelegt.

ISO-4730-2017

Der Hauptgrund für die Definition des ISO-Standards waren die immer häufiger vorkommenden Teebaumöl-Fälschungen, denen kostengünstigere Öle beigemischt wurden, die unnatürliche Zusatzstoffe enthielten oder aus entfernten Verwandten des Teebaums hergestellt wurden.

Die Wirkung des Teebaumöls ergibt sich aus der komplexen Zusammensetzung der verschiedenen Inhaltsstoffe. Auch wenn das Terpinen-4-ol als Hauptinhaltsstoff angesehen wird und der Anteil für eine gute Qualität mindestens 30% betragen muss, sind die anderen Bestandteile deswegen nicht weniger wichtig. Es werden 15 verschiedene chemische Komponenten definiert, die einen Fingerabdruck des reinen Teebaumöls darstellen. Diese originale Zusammensetzung wurde 2017 im ISO-Standard 4730-2017 festgeschrieben. Er definiert den Mindest- und Höchstanteil der wichtigsten Inhaltsstoffe. Der ISO-Standard ist demnach ein Nachweis, dass es sich um 100% reines und hochwertiges Teebaumöl handelt.

Teebaumöl besteht zu knapp 40% aus Terpinen-4-ol, das die antibakterielle Wirkung weitgehend erklärt. Doch wie sich in einer Untersuchung von Dr. Christine Carson herausstellte, ist vor allem die komplexe Zusammensetzung des Öls bzw. der bisher 113 bekannten chemischen Verbindungen für die Wirkung verantwortlich. In dieser natürlichen Zusammensetzung ist es um einiges effektiver gegen Bakterien, als isoliertes Terpinen-4-ol. Um die genaue Wirkungsweise der 113 Inhaltsstoffe und deren Wechselwirkung auch nur ansatzweise zu verstehen, sind viele weitere Untersuchungen nötig.

Hier die Übersicht, der 15 Inhaltsstoffe nach ISO 4730-2017.
Alle Angaben sind in %.

  • terpinen-4-ol - 35,0 - 48,0
  • γ-terpinene - 14,0 - 28,0
  • α-terpinene - 6,0 - 12,0
  • α-terpinolene - 1,5 - 5,0
  • α-terpineol - 2,0 - 5,0
  • α-pinene - 1,0 - 4,0
  • 1,8-cineole - tr - 10,0
  • p-cymol - 0,5 - 8,0
  • aromadenrene - 0,2 - 3,0
  • δ-cadinene - 0,2 - 3,0
  • ledene - 0,1 - 3,0
  • limonene - 0,5 - 1,5
  • sabinene - tr - 3,5
  • globulol - tr - 1,0
  • viridiflorol - tr - 1,0

Herkunft

Teebaumöl wird in mehreren Ländern hergestellt. Australien ist das Ursprungsland, wo es bereits die Ureinwohner, die Aborigines zu medizinischen Zwecken verwendet haben. Mit 700 - 850 Tonnen ist Australien der größte Exporteur weltweit. Doch auch in China (~200 t), Kenia (~20 t), Zimbabwe (~20 t) und Südafrika (~35 t) wird Teebaumöl angebaut. In Kalifornien (USA), Neuseeland, Thailand und Malaysia gibt es ebenfalls kleinere Felder. Australisches Teebaumöl hat die bessere Qualität, da die Melaleuca alternifolia nicht nur beheimatet ist, sondern auch das beste "Know-how" für den Anbau und die Destillation vorhanden ist.

Sortenreiner Anbau

In den Hauptanbaugebieten Australiens – in South Wales und Queensland - wird der immergrüne Teebaum in Plantagen angebaut. Die Bäume stehen dort in dichten Reihen und werden häufig abgeerntet, so dass sie niedrig und buschförmig bleiben. Reines Öl wird nur aus den Sorten Melaleuca alternifolia und Melaleuca linariifolia gewonnen. Die Ernte stammt vom selben Feld und wird nicht mit Chargen von anderen Feldern gemischt.

Formen der Verunreinigung und deren Konsequenzen

Leider sind gerade auf dem europäischen Markt viele verfälschte Teebaumöle im Umlauf. 49% der weltweit verkauften Teebaumöle sind nicht dem Standard entsprechend, entweder von minderer Qualität oder sogar vorsätzlich verfälscht. (Dr. Ezra Bejar - American Botanical Council, 08-2017) Dem Bericht zufolge sind verfälschte Teebaumöle häufig die Ursache für allergische Reaktionen und ein Ausbleiben der therapeutischen Wirkung.

Um Produktionskosten zu sparen, wird Teebaumöl mit günstigen Ölen wie Eukalyptus-, Kiefernöl und Kampfer und/oder synthetischen Stoffen können gestreckt. Um unreines Teebaumöl handelt es sich auch, wenn es aus verwandten Pflanzen des Teebaums, die landläufig auch als Teebaum bezeichnet werden, hergestellt wird. Laut dem Australischen AS 2782-Standard oder dem internationalen ISO 4730-Standard, sind aber nur die Sorten Melaleuca alternifolia und Melaleuca linariifolia für die Produktion von Teebaumöl zugelassen.

Verfälschte Produkte haben einen höheren Anteil an Peroxiden, welche Hautreizungen verursachen. Auch der Anteil von Methyleugenol, das in einer Studie als krebserregend eingestuft wurde, ist weitaus höher als bei reinem Teebaumöl. Teebaumöl-Kenner beschreiben auch einen veränderten, künstlichen und scharf beißenden Geruch.

Bio-Zertifizierung / Schadstoffe

Obwohl für den Anbau von Melaleuca Alternifolia keine Pestizide notwendig sind, da Ungeziefer die Pflanze nicht befällt, ist eine Bio-Zertifizierung durchaus sinnvoll, denn einige Hersteller setzten trotzdem Pflanzenschutzmittel oder künstliche Dünger ein, um den Ertrag zu steigern. Schadstoffe können auch durch den Einsatz auf benachbarten Feldern die Pflanzen verunreinigen. Dies gilt es natürlich beim Kauf auszuschließen, was zumindest teilweise durch eine Bio-Zertifizierung möglich ist. Je nachdem, um welches Bio-Zertifikat es sich handelt, sind die Werte nach unserer Meinung immer noch sehr großzügig angelegt. 'Bio' bedeutet nämlich nicht unbedingt 'schadstofffrei', sondern nur, dass ein gewisser Grenzwert nicht überschritten werden darf.

Destillation und Herstellung

Ein weiterer Qualitätsfaktor ist die Art der Herstellung und dabei in erster Linie die Destillation. Diese sollte möglichst bei niedrigem Druck und ohne Auszugshilfsmittel erfolgen, um alle Inhaltsstoffe zu erhalten. Öle die mehrfach destilliert werden, sind nicht zu empfehlen, da sich der Anteil an Terpinen-4-ol so zwar künstlich in die Höhe treiben lässt, andere Inhaltsstoffe dadurch aber auf der Strecke bleiben. Bei einem wirklich hochwertigen Teebaumöl sollte der Terpinen-4-ol-Gehalt schon nach der ersten Destillation bei ca. 40% liegen. Wenn sich Hersteller einer mehrfachen Destillation bedienen, ist dies in der Regel ein Indikator für weniger hochwertiges Ursprungsmaterial oder einem Gemisch von minderwertigen Chargen.

Kriterien für den Einkauf

Aufschluss über reines Teebaumöl geben die Informationen auf der Verpackung und die Verpackung selbst. Achten Sie auf:

  • den Hinweis: 100% reines Teebaumöl auf der Flasche und der Verpackung
  • die Baumarten Melaleuca alternifolia oder Melaleuca Linariifolia
  • ein gültiges Haltbarkeitsdatum auf der Flasche
  • das Material der Flasche und deren Farbe: Die Flasche sollte also aus dunklem Glas bestehen und einen soliden Verschluss haben, da sich die enthaltenen Terpene und aromatischen Kohlenwasserstoffe durch Licht und Sauerstoff verändern und allergische Reaktionen auslösen können.
  • den Vermerk „Bio“, „organic“, „aus Wildwuchs-Sammlung“ „therapeutisch geprüfte Qualität“, „therapeutic grade“ lässt auf 100% reines Öl schließen
  • den ISO-Standard. Er garantiert 100% reine, geprüfte Qualität, die auch in Apotheken verkauft werden darf.
  • den Preis - bei preislich sehr günstigen Angeboten ohne die vorgenannten Hinweise ist nicht von 100% reinem Teebaumöl auszugehen.

Quellen

Da es seit 1991 zu ca. 30 Fällen von Hautsensibilisierungen kam, wurde ein Versuch an Meerschweinchen durchgeführt, um die dafür verantwortlichen Inhaltsstoffe ausfindig zu machen. Dabei wurde frisch destilliertes und altes (oxidiertes) Teebaumöl getestet. Das Ergebnis war eindeutig. Frischen Teebaumöl verursachte weitaus weniger Sensibilisierungen, als das oxidierte. Teebaumöl sollte daher immer luftdicht und lichtgeschützt aufbewahrt werden.

Autoren: Hausen BM, Reichling J, Harkenthal M.
Ort, Datum: Heidelberg, Deutschland | Jun, 1999
Institut: Institut für Pharmazeutische Biologie
Quelle: Link zur Studie

Institut für Pharmazeutische Biologie, Universität Heidelberg

Institut für Pharmazeutische Biologie an der Universität Heidelberg

Da es in der Vergangenheit öfters zu Kontaktallergien bei der Verwendung von purem Teebaumöl kam, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung die pure Anwendung als "unsicher" erklärt. Teebaumöl sollte deshalb nur noch in einer Konzentration von 1 % auf der Haut verwendet werden.

Autoren: Bundesinstitut für Risikobewertung
Ort, Datum: Berlin, Deutschland | Sep. 2003
Institut: Bundesinstitut für Risikobewertung
Quelle: Link zur Studie